Ludwigsburger Kreiszeitung 14.04.08

Musikalische Schätze gehoben

von Angelika Baumeister

Musical ist mehr als nur „Phantom der Oper" oder „Cats". Das erlebten die Besucher der Musical-Gala im Forum auf bestechende Weise. Bei zwei Vorstellungen mit dem Kreisjugendorchester und Bühnenstars zündeten alte Melodien genauso wie neue Lieder. Von „Cabaret" bis „Wicked" lautete das Motto.

Die Musical-Gala des Kreisjugendorchesters unter der Gesamtleitung von Stadtmusikdirektor Roland Haug ist längst eine feste Einrichtung, die den Veranstaltern stets volle Häuser beschert. Dabei schaffen es die Akteure immer wieder aufs Neue, das Publikum zu begeistern.

Auch die beiden Vorstellungen am Samstagabend und am Sonntagvormittag zeigten, dass es noch viele musikalische Schätze zu bergen gilt. Die Gesangsstars Kevin Tarte, Willemijn Verkaik, Gaines Hall und Anke Sieloff, beziehungsweise am gestrigen Sonntag Kaatje Dierks, boten einen spannenden Querschnitt für jeden Geschmack.

Der Amerikaner Kevin Tarte übernahm wieder die Rolle des Sonnyboys, der die Frauenherzen eroberte. Dies gelang vor allem mit den gefühlvollen Popballaden „You raise me up", dem spanisch gesungenen „Without you" sowie dem südamerikanischen „Sway", wo Kevin Tarte ganz in seinem Element war und Beifallsstürme erntete.

Tartes ebenfalls aus den USA stammender Kollege Gaines Hall steuerte eine weitere Facette bei. Mit seiner ausdrucksstarken Stimme überzeugte er als der Mann von La Mancha, beim Medley aus dem 30er-Jahre-Klassiker „42nd Street" legte er einen grandiosen Stepptanz hin.

Dass Gaines Hall und Kevin Tarte auch als „Ratpack" taugen, bewiesen sie beim Dauerbrenner „New York, New York", wo sie in weißen Anzügen sowie auf Barhockern sitzend Frank Sinatra und Co. alle Ehre machten.

Eine große Bereicherung war auch die Niederländerin Willemijn Verkaik, die als frech-verführerische „Hello Dolly" ebenso überzeugte wie als Elisabeth mit der stark gesungenen Weise „Ich gehör nur mir". Und nicht zu vergessen ihre strahlenden Duette mit Kevin Tarte.

Anke Sieloff beziehungsweise Kaatje Dierks rührte das Publikum als „Evita" an, und die richtige Betriebstemperatur erreichte der Theatersaal, als alle vier Solisten bekannte Medleys zum besten gaben. Spritzig und keck die Höhepunkte aus „Annie get your Gun" , bezaubernd die schönsten Motive aus „42nd Street" und richtig schmachtvoll italienisch das Belcanto-Arrangement.

Beim Medley aus „Hair" lagen die Akteure aber leider etwas daneben. Das Hippie-Musical um Protest, Provokation und mystische Wirklichkeitsflucht ist eben mehr als nur alberner Karneval wie die Show der Musicalstars weiszumachen versuchte.

Das von Roland Haug dirigierte Kreisjugendorchester erwies sich wieder als erstklassige, gefühlvoll agierende Begleitband, die überdies hervorragende solistische Akzente setzte. Das Orchester hatte aber auch gelungene Solonummern im Programm. Mit brillanter Finesse, virtuoser Spielfreude und eleganter Leichtigkeit wurden zwei südamerikanische Kompositionen intoniert.