Leckerbissen für Auge, Ohr und Gaumen: Turbulente Dinner-Show im Düsseldorfer Capitol-Club

That’s Life! Sex & Crime zwischen Champagnergelee und Testosteron

 

Wer mit zwei reizenden Kolleginnen gleichzeitig (jeweils hinter dem Rücken der anderen) anbandelt, muss sich nicht wundern, wenn ihm eine Lampe auf den Kopf fällt. Eine (schmerzvolle) Erfahrung, die auch der um- und durchtriebige Jack Daniels (nicht zu verwechseln mit Jonny Walker) machen muss. So ist das nun mal im (multilateralen Liebes-)Leben. „C’est la vie“, wie der Lateiner zu sagen pflegt – oder eben „That’s Life“! Und das, genau, ist auch der Titel der neuen Dinner-Show, die am 14.November im Club des Düsseldorfer Capitol-Theaters Premiere feierte und daselbst noch bis einschließlich 3. Januar zu sehen sein wird - das Preview mitgerechnet insgesamt 38 mal. Auch viel PÖrominenz war zum Auftakt dieser schwungvollen Schlemmersause aufmarschiert.

Wann, bitteschön, hat man/frau denn schon mal das Vergnügen, von Alfons Schuhbeck persönlich bekocht zu werden? Kein Geringerer als der hochdekorierte Erneuerer der bajuwarischen Küche schwingt hinter den Kulissen die Löffel. Zumindest hat der Gewürz-Papst das erlesene Vier-Gang-Menü eigens für diesen Anlass kreiert und ausgetüfelt und seinem temporär in der Erkrather Straße stationierten Maitre de Cusine und dessen Stab strikte und detaillierte Anweisungen hinterlassen, wie sie nach der Premiere, die der Meister natürlich selbst bestritt, zu verfahren haben.

Da blieben keine Wünsche offen

Gourmet-technisch bleiben da keine Wünsche offen. Aber es ist nicht allein die den Gaumen streichelnde Erlebnisreise zwischen bayerischer Gockel-Terrine in Champagnergelee und rosa gebratenem Kalbsfilet mit Trüffelsauce und Trompetenpilzen, die dem Genuss im stilvollen, weit und breit einzigartigen Ambiente dieser Spielstätte an diesem Abend Flügel verleihen. Hier wie andernorts gilt: Die Mischung macht’s. Und dazu gehört in diesem aktuellen Fall ein Showpaket, das, zwischen den Gängen serviert, aber alles andere als ein Pausenfüller ist, um vielleicht die Wartezeit auf das nächste Messer-und-Gabel-Scharmützel zu verkürzen. Dahingehend hatten die dafür Verantwortlichen jede Menge Ehrgeiz entwickelt und sich mächtig zur Decke gestreckt.

Dabei heraus gekommen ist ein pfiffiges, mit vielen bekannten (und auch weniger bekannten) Melodien garniertes und dramaturgisch durchdachtes „Mini-Musical“ (Buch: Nina Schneider), das in jeder Szene Appetit auf mehr machte. Maßgeblich geprägt haben das als kreatives Dream-Team der österreichische Regisseur Alex Balga und Choreografin Natalie Holtom, die in der Vergangenheit schon für viele erfolgreiche Produktionen im Capitol-Theater verantwortlich zeichneten. Und mit „Kapellmeister“ Heribert Feckler durfte man sich auch in musikalischer Hinsicht auf der sicheren Seite wähnen. Unglaublich, welch eine Klangfülle eine kleine Drei-Mann-Band produzieren kann.

Explosiver Personalmix mit Sofortzünder

Ja und dann die Cast! Die war genau so superb wie Schuhbecks Oliven-Couscoussalat in Parmesanhippe. Maik Klokow proudly presents: Sabrina Weckerlin, Sabine Mayer und Nigel Casey. Ein explosiver Personalmix mit Sofortzünder. Für das Fräuleinwunder des deutschen Musicals war es das berühmte erste Mal. Sabrina Weckerlin war für ihre schwangere Kollegin Anna Montanaro eingesprungen, während ihre multi-taskfähige Partnerin aus Wien bereits bei der Dinner-Show des vergangenen Jahres mit Esprit, Spielwitz und Stimme hatte überzeugen können. Und als Hahn im Korb durfte sich wieder Charmebolzen Nigel Casey fühlen, geriet aber im Laufe des Abends zwischen alle weiblichen Fronten. Und das war nicht immer angenehm für den Testosteron-gesteuerten Westentaschen-Casanova, den der vokalgewaltige Brite in dem Stück zu geben hatte.

„La Montanaro“ mit Babybauch hingegen konnte das Ganze entspannt und aus für sie völlig ungewohnter Perspektive verfolgen –aus dem Zuschauerraum heraus. Die  Broadway-erprobte Aktrice dürfte mit ihrer „Ersatzmännin“ mehr als zufrieden gewesen sein, und nicht nur sie. Sabrina W. machte auch dem Letzten im Saal sehr schnell klar, dass hier keine Lückenbüßerin auf der Bühne stand. Das Schwarzwaldmädel zählt zu den größten Talenten, die die deutsche Musicalszene zu bieten hat und liefert in Düsseldorf einen weiteren Beweis für diese Einschätzung.

Dann gab’s was von der und auf die Lampe

Die dreiteilige, mit Crime, Intrige, Leidenschaft und Erotik gewürzte amüsante Dreiecks-Story von Tabaluga und Lilli, nee, pardon, von Lilli und Marleen und ihrem maskulinen Beglücker spielt im Milieu einer drittklassigen Tingel-Tangel-Show. Jack, der eitle Hahn mit dem Hang zur Selbstverliebtheit, kann seine Finger (und anderes) weder von der einen, noch von der anderen Kollegin lassen. Und wenn dann noch Zeit und Kondition bleibt, darf’s als Dessert (oder Aperitif) auch mal eine Dame aus dem Publikum sein. Doch der Krug geht (nur) so lange zum Brunnen, bis er bricht. Wer hat den Bühnenscheinwerfer manipuliert, dass er dem eitlen Fatzke auf den pomadisierten Schädel kracht, wodurch dieser sein Gedächtnis verliert und sich an seine Missetaten und Sidesteps im zwischenmenschlichen Bereich nicht mehr erinnern kann?

Der Täter war nicht der Gärtner

Hat die naive Lilli (Sabrina Weckerlin), die sich zuvor mit einer recht unkonventionellen Horizontal-Diät eine Traumfigur erkämpft hatte, ihre zarten Fingerchen im Spiel, oder der selbstbewusste, mannstolle Vamp Marleen (Sabine Mayer)? Oder doch jemand ganz anderes? Eins sei verraten: Der Gärtner war’s nicht! Dass sich die beiden Ladies in die Wolle kriegen, bevor sie sich gegen den gemeinsamen „Feind“ verbünden, verleiht dem Spaß noch eine zusätzliche, turbulente Note. Überhaupt entwickelt die mit viel Situationskomik, Gags und witzigen, treffsicheren Dialogen gewürzte Geschichte eine Menge Drive und nimmt überraschende Wendungen. Sie lebt von zahlreichen originellen Regieeinfällen und beinhaltet eine wirklich spritzige Choreografie. Einer fehlt noch im personellen Bunde: Tim Hüning. Der Raesfelder war gleich in dreifacher Mission unterwegs und als Kellner, Arzt und Kommissar immer wieder für Lacher gut. Besonders gelungen die der Jekyll & Hydes „Konfrontation“ nach empfundene Szene, in der der Polizist mit dem entlarvten Übeltäter abrechnet – oder es zumindest versucht. 

 

Musikalisch hat  Heribert Feckler aus vielen Quellen geschöpft und sich bei den unterschiedlichsten Komponisten und Künstlern bedient, den Beatles ebenso wie bei Cindy Lauper, Leonard Bernstein, Elvis, Dusty Springfield, Umberto Tozzi, Tom Jones, Marianne Rosenberg oder Ray Charles. Wobei die thematische Akzentuierung der von Feckler neu arangierten Songs wohl nicht immer und unbedingt den ursprünglichen Intentionen ihrer Schöpfer entsprochen haben dürften. Aber das war ja beabsichtigt. Eine klangvolle, treibende Melange, deren Ingredienzien immer auf dem Punkt lagen. 

So viel hatten die Wenigsten von einer und von dieser Dinner-Show erwartet bzw. auch erwarten können. Sie dürften deshalb angenehm überrascht, vor allem aber zufrieden, sich blendend unterhalten fühlend und gesättigt den Heimweg angetreten haben. Dort kommt dann aber wieder gutbürgerliche Hausmannskost auf den Tisch. Es sei denn, die Dame des Hauses versucht sich erfolgreich an den in den Programmheften abgedruckten Originalrezepten des Meisters. Guten Appetit!  JÜRGEN HEIMANN

 

 

Das kracht: Gute Laune, tolle Stimmen, Temperament und Situationskomik:

Sabine Mayer, Nigel Casey, Sabrina Weckelrin (v.l.) und Tim Hüning (liegend) zündeten im Capitol-Club ein amüsantes Feuerwerk.

Foto: Jens Hauser

 

 

Elegant, sexy und ein bisschen verrucht: Lilli, Jack und Marleen verstricken sich in eine turbulente Dreiecksgeschichte. Foto: Jens Hauer

 

 

Füttern verboten? Der Meister in seinem Element. Angesichts der leckeren Nachspeise,

die Starkoch Alfons Schuhbeck zum Finale auftischte, konnten auch die figurbewussten Damen nicht widerstehen.

Nigel Casey hatte vorher schon einmal heimlich vom Dessert genascht. Foto: Jens Hauer

 

 

So stilvoll kann Theater sein. Im einzigartigen Ambiente des Capitol-Clubs isst auch das Auge mit. Foto: Jens Hauer