Dennis Martin legt nach: Welturaufführung am 3. Juni 2011 im Fuldaer Schlosstheater  

Sabrina Weckerlins steile Kirchenkarriere

Von der Heiligen Elisabeth zur Päpstin

 

Die kleine, unabhängige Musical-Produktionsfirma „spotlight“  schickt sich an, der Bischofsstadt Fulda, gleichzeitig Sitz des Unternehmens, zum zweiten Male eine Welturaufführung zu bescheren. Und das wäre dann schon die dritte aus diesem Hause in Folge. Nach „Bonifatius“  in 2004 hatten die Nordhessen drei Jahre später im Landestheater in Eisenach mit „Elisabeth – Legende einer Heiligen“ ein zweites Meiserstück mit Weltpremierencharakter hingelegt.  Und jetzt „Die Päpstin“. Premiere wird am 3. Juni 2011 im hiesigen Schlosstheater sein. Der Vorverkauf hat bereits am 1. September begonnen.

 

De facto  kaufen die Ticket-Interessenten damit die Katze im Sack,  doch wer die beiden Vorgängerproduktionen erlebt hat, darf sicher sein, hier keine Fehlinvestition zu tätigen. Zumal Dennis Martin als Komponist und Librettist wieder hinter dem Ganzen steckt. Und der Mann hat ja bereits mit „Boni“ und „Eli“ (beide Produktionen wurden mit dem Da Capo Award ausgezeichnet) bewiesen, welch Potential in ihm schlummert. Seine Melodien sind mitreißend und eingängig, die Texte (in der Vergangenheit teils  in Zusammenarbeit mit Produzent Peter Scholz entstanden) sind intelligent und haben Witz und Niveau.

Der Schleier, auf was sich das Publikum einstellen darf, etwas gelüftet haben die Verantwortlichen inzwischen auch schon. Zum offiziellen Ticketverkaufsstart präsentierten sie im Marmorsaal des Fuldaer Stadtschlosses  mit „Parasit der Macht“ und „Ein einsames Gewand“ zwei Live-Hörproben, die großen Appetit auf mehr machen. Und die Gelegenheit war günstig, an Ort und  Stelle gleich auch die Hauptdarstellerin und „Titelheldin“ zu präsentieren. Und das wird niemand Geringeres als Sabrina Weckerlin sein. Nicht zuletzt nach seinem überzeugenden Job als „Heilige Elisabeth“ war das Schwarzwaldmädel erste Wahl.  „Ich kann mir niemand Besseres für den Part der Päpstin vorstellen als sie“, sagte Produzent Peter Scholz. Die Teilnahme von Christian Schöne, Mathias Edenborn und Dietmar Ziegler an der Vorstellung  hingegen wollte er nicht als Vorfestlegung auf die weiteren Rollenbesetzungen verstanden wissen. Die Auditions werden erst im Oktober/November erfolgen.

Bonifatius“ und „Lisbeth“, die Heilige, litten etwas an ihrer regionalen-lokalen Fixierung auf Fulda, Marburg bzw. Eisenach und hatten es somit schwer, sich Publikumskreise jenseits davon zu erschließen. Das wird bei der „Päpstin“ garantiert anders sein, auch wenn es auch  hier Wurzeln in die nordhessische Stadt gibt,  wo die anno 814 geborene Tochter eines Dorfpfaffen und einer sächsischen Heidin als Novize getarnt ins dortige Kloster eintrat und damit den Grundstein für ihre steilen Kirchenkarriere legte. 

Gut, das meiste an der weiteren  Geschichte ist Fiktion und kann geschichtlich nicht belegt werden. Eine (als Mann verkleidete) Frau auf dem Stuhl/Thron des Pontifex war und ist für die römisch-katholische Kirche  auch heute noch  eine  recht unangenehme, ja undenkbare  Vorstellung. Aber vielleicht zählt es ja in zwei- dreihundert Jahren zur Normalität, dass eine Dame auf dem Heiligen Stuhl Platz nimmt.  Im 9. Jahrhundert freilich, als die ehrgeizige und wissbegierige Johanna  den Wallraff mimte und es als Mann verkleidet an die Spitze des Vatikans schaffte, musste dies Kirchenstaat bis in seiner Grundfesten erschüttern. Tat es der Story zufolge nach auch.

Die US-amerikanische Autorin Donna W. Cross hat aus diesen brisanten Zutaten eine packenden, 1996 erschienen  Historien-Thriller gestrickt -  „Die Päpstin“ eben.  Und dieser Bestseller, der es laut ZDF-Umfrage auf Platz 10 der Lieblingsbücher der Deutschen geschafft hat, dient denn auch als Vorlage für das neue Musical. Ein solches war früher oder später sowieso fällig, nachdem die Geschichte bereits von Soenke Wortmann verfilmt worden ist.

Aber es ist auch ein ehrgeiziges und schwieriges Unterfangen, den umfangreichen Stoff bühnentauglich zu verdichten.  Die Autorin selbst glaubt, dass dies gelingen wird. Sie war eigens aus New York angereist, um den Start in die „heiße“ Vorbereitungsphase mit erleben zu können. Lange Schlangen von Autogrammjägern, die um ein von Cross signiertes Exemplar anstanden, beweisen, wie ungebrochen populär die Schriftstellerin und ihr spannender Roman nach wie vor sind. Der Kinostreifen, der Ende des Jahres als Mehrteiler im Fernsehen gezeigt wird,  lockte über zwei Millionen Zuschauer vor die Leinwände, das Buch selbst verkaufte sich hier zu Lande mehr als vier Millionen  Mal. Das ist ein immenser Fundus, von dem auch die Musicalmacher profitieren und der sich in den Besucherzahlen niederschlagen könnte.

Die Inszenierung wird vom 3. Juni bis 14. August in Fulda zu sehen sein.  JÜRGEN HEIMANN

 

 

Lächeln für die Fotografen: „Päpstin“ Sabrina Weckelin (links)
mit Bestseller-Autorin Donna W. Cross, die eigens für Präsentation aus New York angereist war.
Foto: spotlight

 

 

Ihr neuester Coup: Komponist Dennis Martin (links) hat gut Lachen.
Für „Die Päpstin“ sind ihm wieder ein ganzer Sack voller herrlicher Melodien eingefallen.
Auch Buchautorin Donna W. Cross (Mitte) und Produzent Peter Scholz
sind von dem Erfolg des neuen Musicals überzeugt. Foto: spotlight 

 

 

Appetitanreger: Mathias Edenborn, Dietmar Ziegler, Christian Schöne
und Sabrina Weckerlin stellten zwei Songs aus dem neuen Musical vor. Foto: spotlight

 

 

Vorschusslorbeeren: „Eine Bessere hätten wir für diese Rolle nicht finden können“
sagt Produzent Peter Scholz. Sabrina Wecklerin freut sich auf die neue Herausforderung. Foto: spotlight