Die stimmgewaltigen Bräute Christi sagen „Tschüß“

Sense für Non(n)sense: Hanau nimmt nach 15 Jahren Abschied von den fidelen „Pinguinen“

 

Die einen gehen, die anderen kommen - und in beiden Fällen sind es Nonnen. Während sich Zodwa Selele anschickt, als Nachtclubsängerin Deloris van Cartier  ab 2. Dezember in  Whoopi Goldbergs „Sister Act“ die (Kloster-)Mauern des Hamburger TUI-Operettenhauses zum Wackeln zu bringen, packen ihre fünf Glaubensschwestern aus der Abtei „Non(n)sense“ im Hessischen Hanau ihre Ordenstrachten in den Koffer. Ihre göttliche Mission hier ist nach 15 Jahren zu Ende und erfüllt.

Damit geht eine erstaunliche Erfolgsgeschichte zu Ende. Die hatte im September 1995 im hiesigen Culture Club, der damals noch JoCulture Club hieß, begonnen. Unter der Regie von Benjamin Baumann, der Dan Goggins Texte für diese Produktion auch ins Deutsche übersetzte, brachte das hiesige Musical Theater Ensemble die himmlische Off-Broadway-Komödie  „Nunsense“ auf die kleine Clubbühne.

 Niemand der Beteiligten ahnte damals, dass die fidelen Bräute Christi einen solch langen Atem entwickeln würden. Erst eineinhalb Jahrzehnte und 550 Aufführungen später sollten sie ihr Pulver und ihre Gags verschossen haben. 120.000 Besucher haben die Show in Hanau und  im Rahmen diverser Auswärtsgastspiele erlebt – und ließen sich anstecken von dem Schwung und der guten Laune der Akteure. Es ist ein irrwitziger, in eine makabre Rahmenhandlung eingebetteter Spaß, der als augenzwinkernde Satire auf Klosterleben, Katholizismus und Showbusiness wunderbar unterhält, aber nie geschmacklos wirkt(e).        

Und darum geht es: Um das nötige Kleingeld für ein würdevolles Begräbnis von vier Nonnen zu sammeln, sehen sich Mutter Oberin und vier vielseitig begabte Mitschwestern genötigt, ihre (doch ganz beachtlichen) Show-Talente unter Beweis stellen. Das Ergebnis: Eine hinreißende Revue mit tollen Songs und viel Humor.

 

Nunsense“ wurde 1985 am New Yorker Off-Broadway uraufgeführt, erhielt mehrere Preise und wurde in über 20 Sprachen übersetzt. Weltweit gab es seither über 5000 verschiedene Produktionen dieses Stücks. Auch in Deutschland konnte und kann man  zahlreiche unterschiedliche Inszenierungen erleben.  Hinzu kommen Fortsetzungen, die u.a. mit „Golden Girls“-Star Rue MacClanahan als Mutter Oberin fürs Fernsehen produziert wurden.

Noch drei Vorstellungen stehen im  Hanauer Cultur Club an, dann haben  die „Pinguine“ ihren Auftrag erfüllt. Die aktuelle Hanauer Besetzung: Mutter Oberin (Britta Hoffmann), Schwester Hubert (Stefanie Rummel), Schwester Amnesia (Christiane Schneidt), Schwester Robert Anne (Hella Boysen) und Schwester Leo (Sigrun Eckardt/Anita Vidovic).

Am 24. und 25. Oktober geht es in die Endrunde. Die Derniere steht dann am Montag, den 27. Dezember ins Haus. Karten können u.a. unter www.frankfurt-ticket.de geordert werden. JÜRGEN HEIMANN

 

 

Fidele Schwestern: Noch drei Shows, und ihre  göttliche Mission ist erfüllt.
Die aktuelle Hanauer „Non(n)sense-Cast. Foto: Musical Theater Ensemble