Nicht „Elphaba“ und „Glinda“ sondern „Huckla“ und „Witchy“

Frauen und Technik: Maricel und Vera Bolten kämpfen mit der verrückten Sprachmaschine

 

Sie heißt weder „Elphaba“, noch ist sie grün im Gesicht. Und ihre Freundin hört auch nicht auf den Namen „Glinda“, sondern heißt „Witchy“. Das Land Oz ist weit weg. Die Hexen, von denen hier die Rede ist, haben ganz andere Probleme an der Backe, als die im Munchkinland.  „Huckla“ heißt das kleine, pfiffige Zauberfrauchen, um das es hier vor allem geht. Und es kämpft mit allen Tricks darum, seine verrückte Sprachmaschine zu Laufen zu bringen.

Die „Hexe Huckla“ ist eine bekannte Figur aus dem Langenscheidt-Lehrbuchverlag, die es inzwischen auf zahlreiche Veröffentlichungen in Gestalt von Audio-CD’s, Bilderbüchern, CD-ROM’s und Fan-Artikeln gebracht hat. Und neuerdings begegnet uns das entzückende Wesen auch als Musicalstar! Und das ist durchaus wörtlich zu verstehen. Denn: Dahinter kommt tatsächlich ein veritable Persönlichkeit aus der Welt des realen Musiktheaters zum Vorschein: Vera Bolten. Welch eine Wandlung. Von „Scaramouche“, der frechen Punk-Göre  Queen’scher Prägung zur märchenhaften Phantasiegestalt mit pädagogischem Ansatz. Na denn mal los.

 

Auf dem Regiestuhl eine ägyptische Prinzessin

 Und noch eine weitere populäre Aktrice aus dem deutschen „Musical-Circus“  hat da ihre Finger ganz maßgeblich mit im Spiel: Maricel. Die umtriebige Hannoveranerin, so eine Art weiblicher „Hans-Dampf-in-allen-Gassen“, hat für diese Produktion allerdings die Seiten gewechselt und die Bühne mit dem Regiesessel getauscht. Das machte sie nicht zum ersten Mal. Der von ihr für den Duden-Verlag inszenierte „Kleine Zahlenteufel“ war nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich und der Schweiz ein großer Erfolg – auch als Hörspiel. Und jetzt hat sich der blonde Wirbelwind aufs Hexen verlegt. Dabei heraus gekommen ist eine flüssige Inszenierung (keine Hexerei) mit vielen witzigen und originellen Einfällen.

 

Eingängige Songs made by Maricel

Dazu zählen auch sehr gut gemachte Videoeinspielungen und -animationen: „Wir schalten um nach England“. Dort lebt nämlich „Witchy“, die Freundin von „Huckla“, die letztere in ihrer Not um Rat fragt. Und die Rolle der „Witchy“, hat Maricel selbst eingespielt. Sie leiht auch der aufmüpfigen Maus ihre Stimme. Ganz nebenbei stammen die eingängigen Songs des Stücks ebenfalls aus ihrer Feder und der von Thomas Lange. Das einfallsreiche  Gespann verbindet eine langjährige, fruchtbare Zusammenarbeit.

 

Jeanne d’Arc ein  Denkmal gesetzt

 Dass „Prinzessin Amneris“ es auch als Songwriterin drauf hat, stellte sie schon im zarten Alter von „Sweet Little Thirteen“ unter Beweis. In Folge brachte sie es mit ihrer Single "Still waiting" sogar zu einem regionalen Nr-1-Hit der ffn-Hörercharts, um dann im Frühjahr 2005 die Fachwelt endgültig zu überzeugen. An der Stätte ihres bis dahin größten Triumpfs, im intimen Clubtheater des Essener Colosseums, präsentierte das Mädel von der Leine mit „Stärker“ ein packendes Solo-Album. Eine (ausgereifte) Konzeptscheibe voller ambitionierter, eingängiger Titel mit anspruchsvollen, natürlich ebenfalls aus eigener Feder stammenden, deutschen Texten. Und damit hatte und hat die Powerlady, die nebenbei noch als Gesangslehrerin arbeitet,  ihr Pulver noch längst nicht verschossen. Mit „Jeanne d’Arc“ hat sie ihr erstes, eigenes Drama-Musical geschrieben und damit der französischen Nationalheldin ein klangvolles, mitreißendes Denkmal gesetzt. Auszüge daraus hatte Maricel ja 2006 und quasi als „Welturaufführung“ bei einem Konzert im Oberhausener Ebertbad präsentiert. „Ein ganz großer Wurf“, urteilte das verblüffte und begeisterte Publikum damals. Seitdem schwelt die Hoffnung, dass das Stück einen Produzenten findet und tatsächlich auf die Bühne kommt.

 

Amüsant und lehrreich

Zurück zum Hexenspuk: Nach den ersten, überaus erfolgreichen Previews im November (Auftakt war im Münchener TAMS-Theater) geht’s im Frühjahr nächsten Jahres richtig in die Vollen. Breits 140 Aufführungen dieses neuen und zweisprachigen  Musicals sind fest geplant, wobei noch Spielraum für weitere Vorstellungen ist. Insbesondere Schulen haben die Macher als Zielgruppe im Visier. Denn: „Die Hexe Huckla und die verflixte Sprachmaschine“ verspricht nicht nur gute Unterhaltung, sondern kommt (durch die Hintertür) zugleich als lehrreiche  Englisch-Stunde daher. Und die läuft didaktisch rund und ist äußerst amüsant und abwechslungsreich aufbereitet. Buchungsanfragen am besten per email an maricel@maricel.de, Eine ganz neue Form des Unterrichts, der bei den kleinen Zuschauern das Bewusstsein für die Fremdsprache schärfen soll. Und ganz nebenbei reift bei diesen die Erkenntnis, dass ein Miteinander in unserer Welt nur durch das Verstehen anderer Kulturen möglich ist. Im Laufe des Stücks wird klar, wie notwendig es ist, Vorurteile gegenüber Fremdartigem abzubauen.

Vera Bolten liegt mit ihrem quirligen-charmanten Spiel bei ihren kleinen (und auch großen) Zuschauern voll auf dem Punkt, wie die Reaktionen der ersten Vorab-Shows zeigten. Als „Huckla“ hat sie für den jährlichen Hexenwettbewerb in England eine Sprachmaschine erfunden, mittels derer sie die Sprache der Tiere in jede erdenkliche Fremdsprache übersetzen kann. Um das Können dieser Wundermaschine ihrem Publikum zu demonstrieren, zaubert sie ihre Hausmaus herbei und steckt sie in den Sprachapparat. Doch "Mr. Mouse" spielt das Spiel nicht so bereitwillig mit, wie „Huckla“ sich das wünscht. Der clevere und eigenwillige Nager blockiert die Tür der Maschine von innen und verlangt ultimativ bessere Arbeitsbedingungen und ein faires Honorar – in Form von Käse. Andernfalls ….. Die Drähte zu „Whitchy“ nach England glühen. Vielleicht weiß die lebenserfahrene Freundin ja Rat…  JÜRGEN HEIMANN

 

 

 

Ein (Hexen-)Kessel Buntes: Vera Bolten und Maricel  als „Huckla“ und „Witchy“ in ungewohnten Rollen.

Da könnte „Mr. Mouse“ Hahn im Korb sein. Doch der Nager hat seinen eigenen Kopf. Foto: Cornelia Oertel

 

 

Simsalabim! Von der frechen Punkgöre „Scaramouche“ zur Hexe mit pädagogischen Ambitionen:

Mit Vera Bolten ist die Rolle der „Huckla“ optimal besetzt. Foto: Cornelia Oertel