Zwischen Heiligem Stuhl, Naschereien und Muttergefühlen: 

Anke Fiedlers Triumph-Reise nach Rom -  Rock'n Roll Mit Feuer, Leidenschaft  und Sex-Appeal

Anno Domini 2014 wird, so viel ist mal sicher, Papst Johannes-Anglicus sein viertes Pontifikat antreten.  Die Fuldaer Spotlight-Musicalproduktion geht, nachdem das Stück in der Saison 2013 wieder traumhafte Auslastungsquoten erzielt hatte,  mit ihrer Päpstin in eine weitere Spielzeit. Und so wird der Lateranpalast wiederum sowohl in der osthessischen Bischofsstadt, als auch in der Rattenfänger-„Metropole“ Hameln sowie jenseits des Weißwurst-Äquators im bajuwarischen München  seine Toren für das Publikum öffnen. Die Erfolgsinszenierung schwächelte bislang nur in einem Punkt: der Stellvertreterfrage. Es gelang nie, die Lücke, die die alles überstrahlende Sabrina Weckerlin an spielfreien Tagen hinterließ, zu füllen. Das war in der abgelaufenen Aufführungsperiode erstmals anders.

 Die Verpflichtung von Anke Fiedler erwies sich für das Projekt als Glücksgriff. Danke, Anke!

Innerhalb weniger Tage hatte sich die Powerfrau aus Berlin nicht nur die Rollen der intriganten Hure „Marioza“ und die der heidnischen Johannes-Mutter „Gudrun“ angeeignet, sondern gleichzeitig auch noch den komplexen Part der Päpstin Johanna  verinnerlicht.

Konträrer ausgelegt als die Profile dieser drei Figuren können Bühnen-Charaktere eigentlich gar nicht sein. Die wandlungsfähige Actrice hauchte ihnen mit immenser Intensität und Spielwucht differenzierte  Leben ein. Die Reaktionen der Besucher waren entsprechend, die Kritiken nahezu überschwänglich.

Cookies für „Cookie“

Mit der Mutterrolle  hat das blonde Energiebündel ja inzwischen ausreichend Erfahrung. Dafür sorgt schon Töchterchen Emily Joe. Die Siebenjährige ist, sofern schulische Belange dem nicht entgegen stehen und es sich eben organisieren lässt, immer dabei. Ein richtiges Theaterkind, das die Welt hinter den Kulissen genießt. Und zur kleinen Entourage von Frau Fiedler zählt daneben auch noch  „Cookie“, eine niedliche Hündin,  die vor allem bei den Kollegen ein gern gesehener und mit Leckerlies verwöhnter Gast ist.  Frauchen selbst ist ebenfalls eine große Naschkatze, der man jedoch die Schwäche für Schokolade nicht ansieht.  Ihren Hut-„Tick“ hat die Künstlerin inzwischen therapiert. Statt Kopfbedeckungen sammelt sie neuerdings Schuhe.

 

Spätestens seit sie 2003  als verwöhnte “Aida“-Modeprinzessin „Amneris“  im Essener Colosseum-Theater  punkten konnte, zählt  die Mezzosopranistin zu den konstanten Größen im deutschsprachigen Musical-Circus.  Seitdem hat sie in vielen Produktionen und Rollen reüssiert, sei es  in  „Chicago“, „Falco meets Amadeus“, „Dracula“, „Hedwig“ oder „Rent“. Und das Ende der Fahnenstange ist noch nicht in Sicht. Den Kopf voller Ideen, Pläne und Szenarien, ist der Tag eigentlich immer zu kurz für die gebürtige Magdeburgerin. Irgendwo wird immer getanzt, irgendwo wartet immer schon das nächste Projekt. Aber das kann auch zur Crux werden. Kann, muss aber nicht. In diesem Job muss man mit Stress und Druck umgehen können, oft auch mit Neid und Missgunst.  Und man/frau weiß eigentlich nie oder selten, was in einem Dreivierteljahr ansteht.

 

Rock'n Roll und Disco-Beats

Nicht so bei Anke Fiedler: Langeweile ist momentan keine optionale Gefahr.  Zunächst stehen erst einmal zwei Heimspiele an. Im Spree-Athener  Renaissance-Theater haben Anfang Oktober die Proben für Oscar Wildes „Idealen Mann“ begonnen. Selbiger feiert im November Premiere. Anke Fiedler spielt in dieser bösen Politik-Komödie die Politiker-Gattin  „Lady Chiltern“. An gleicher Stelle folgt dann einen Monat später die Wiederaufnahme des „hormonellen“  Liederabends „Ich weiß nicht zu wem ich gehöre“, der das Ensemble später auch ins Hamburger Ernst-Deutsch-Theater führen wird. Daneben tourt Anke Fiedler auch mit ihrer Funk-Soul-Band „Uptown Saturday Night“ durch die Clubs von Berlin.

Ja, und auch die Rock-Röhre in sich darf sie demnächst wieder raus lassen. Im Frühjahr 2014 geht die zwischen „J.C.“, ABBA, Queen, Rocky Horror Picture Show und Grease angesiedelte  Powerplay-Produktion „Musical Rocks!“ erneut an den Start und auf  Europa-Tournee. Und da singt und tanzt die Lady mit der langen Mähne  in der ersten Reihe.

 

Riesige Herausforderung

 Das ist Feuer, Leidenschaft und Energie, aber  gemessen  an „Bruder Johannes“ doch eher oberflächlich.  „Die  Rolle der Päpstin gehörte für mich zu den reizvollsten der vergangenen Jahre“,  hält die Wahl-Berlinerin Rückschau. „Johanna ist nicht nur ein Kirchenmensch, wie man auf den ersten Blick vielleicht vermuten könnte. Vielmehr steckt in dieser Person die Geschichte einer starken Frau, mit der ich mich selbst absolut identifizieren kann“. In einer von Männern dominierten Welt hätte Johanna den Mut gehabt, als Frau ihren Weg zu gehen und sich bis an die Spitze der Kirche und der Macht durchzukämpfen. Abgesehen davon sei der Spagat zwischen den drei sehr unterschiedlichen Rollen der „Gudrun“,  der „Marioza“ und der „Johanna“ eine riesige Herausforderung gewesen. Besonders gefreut habe sie sich dann natürlich über das positive Feedback von Publikum und Kritik. Kommendes Jahr also gleiche Welle, gleiche Stelle!

Und sonst?  Es darf weiter geträumt werden. Beispielsweise den Sommernachtstraum. Als Hippolyta und Titania wird man Anke Fiedler in dem Shakespeare-Musical von Heinz-Rudolf Kunze und Heiner Lürig im Gartentheater in Herrenhausen bei Hannover 2014  erneut  erleben können. Im Staatstheater Saarbrücken  hat die Frau für die Spielzeit 2014/2015 ebenfalls ein Füßchen in der Türe,  doch gilt das noch als geheime Kommandosache.   Schaun‘ mer mal.  JÜRGEN HEIMANN

 

 

Schafft den Spagat zwischen  Pontifex und Rock'n Roll mit links: Anke Fiedler. Foto: Privat

 

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht: Mit der Papstkrone hat sich die Wahl-Berlinerin inzwischen innig angefreundet.
Foto: Michael Eloy-Werthmüller

 

Die vielen Gesichter der Anke Fiedler: Hin und hergerissen zwischen Rock-Lady, Vamp und Hippie-Girl. Fotos: Heiner Schäffer

 

„Die Rolle der „Johanna“ im Spotlight-Musical „Die Päpstin“ gehörte für mich zu den reizvollsten der vergangenen Jahre“:
Anke Fiedler hier zusammen mit  „Gerold“ Mathias Edenborn. Foto: Michael Eloy-Werthmüller

 

 

Vom  naiven Mädchen zur alkoholsüchtigen Vampirin:  Die Rolle der Lorraine in der deutschen Erstaufführung des tschechischen Hit-Musicals
„Dracula“ in Tecklenburg markierte einen Meilenstein in der Karriere der  gebürtigen Magdeburgerin.  Foto Heiner Schäffer

 

Geballte Power:  Da rockt die Hütte. Im nächsten Jahr geht Anke Fiedler wieder mit der
österreichischen Erfolgsproduktion „Musical Rocks!“  auf Europatournee.  Foto: Heiner Schäffer