Hexen, Rock und Bauernopfer

Alex Melcher tanzt auf vielen Hochzeiten – Sein neuestes „Baby“ kommt in Datteln zur Welt

von Jürgen Heimann

Er gehört auch zu jener Sorte von Künstlern, die immer mehrere Baustellen gleichzeitig haben. Womit die These, der zufolge ein zeitgleicher Tanz auf verschiedenen Hochzeiten nicht möglich sei, schon mal widerlegt wäre. Alex Melcher ist dahingehend ein Tausendsassa, der seine Reviergrenzen nicht allzu eng zieht. Der umtriebige Allrounder hat in vielen großen Erfolgsproduktionen an vorderster Front gestanden, neigt aber, wie zahlreiche andere Kollegen auch, inzwischen dazu, sich andere Nischen zu suchen. Weg von den Mega-Hochglanz- Inszenierungen, hin zu kleineren Häusern und Projekten.

Die „Kleinkunst“ bietet ihm und seinesgleichen die interessanteren Perspektiven. Was aber nun wieder nicht heißt, dass er mit seiner Vergangenheit abgeschlossen hat. Bei „We will rock you“ in Essen knüpft Melcher in diesen Tagen an seine großen Erfolge als „Galileo“ an, einer Rolle, der er seinen unverwechselbaren Stempel aufgedrückt hat - oft kopiert, aber eigentlich nie erreicht. An ausgesuchten Terminen steht er im Colosseum zusammen mit seiner „Scaramouche“ Vera Bolten erneut im Zentrum des rasanten Geschehens.

Exzellente Kritiken hatte der Ex-Magier und Vampir-Alfred i.R. in jüngster Vergangenheit als „Frederick Trumper“ eingefahren. Als Titelverteidiger in dem Abba-Stück „Chess“ opferte der Schachbrett-Stratege in Altenburg und Gera seine Bauern. Im Juni geht’s im Osten Thüringens noch mal in eine kleine Verlängerung des packenden Duells gegen den russischen Herausforderer Anatoly Sergievsky. Ab Herbst dann müssen sich „Die Hexen von Eastwick“ in Bielefeld warm anziehen.

Neben seinen musical-ischen Eskapaden hat Alex Melcher immer schon sein eigenes Ding durchgezogen. Bereits in den 90er Jahren spielte er unter dem Kürzel A&S gemeinsam mit dem Gitarristen Stefan Mühl ein starkes Album ein. Beide machten in Folge unter dem Namen „Cosmosonic Weed“ weiter. Zu Kölner WWRY-Zeiten reüssierte der Sänger, Komponist und Schauspieler nebenbei mit seiner Band „The Tune“, zu der auch Musiker der WWRY-Band zählten. Es folgte eine Formation mit dem bezeichnenden Namen „Melcher“, die sich dann in „Grandfield“ unbenannte. Das ist der heutige Stand der Dinge. „Handgemachte Rockmusik ohne Schubladen, irgendwo zwischen europäischer Spielfreude und der Weite des amerikanischen Hardrocks“ sei das, sagt Alex Melcher und hat daraus gleich noch ein Sub-Projekt entwickelt: „Decay Inside Creation“. Was immer der Name auch bedeuten mag, dahinter verbirgt sich der Sänger selbst und „Grandfield“-Saitenzauberer Arto Mäkelä.

Der gebürtige Finne studierte Gitarre in Helsinki und Leipzig und bekam dort auch seine Auszeichnung als 'Master of Guitar'. Dritte im Bunde ist die virtuose Cellistin Johanna Stein. Udo Lindenberg hätte seine helle Freude an ihr. „Ich wollte meine eigenen Songs immer schon mal in einem neuen Gewand und auf Gesang, Gitarre und Cello reduziert sehen“, erklärt Melcher die doch etwas ungewöhnliche Zusammensetzung. Sein Kumpel Mäkelä hat das Material entsprechend neu arrangiert. Klingt spannend. Erste Hörproben gibt es übrigens unter www.alexmelcher.com.

Die Katze wollen die Drei am 1. Juni aus dem Sack lassen. Im Dattelner Katielli-Theater,
wo Melcher bereits mit
"tick, tick... BOOM!" und "Die Tagebücher von Adam & Eva" auf der Bühne gestanden hatte,
feiert die mit phantasievollen Video-Projektionen unterlegte Show an diesem Abend ab 19.30 Uhr seine Premiere.
Zusammen mit dem finnischen Ausnahme-Gitarristen Arto Mäkelä spielt Alex Melcher seine nächste Trumpf-Karte aus:
„Decay Inside Creation“ heißt das Projekt, das am 1. Juni in Datteln Premiere feiert.
Das Vorprogramm bestreitet Vera Bolten.

 

Neben seinen Musical-Engagements forcierte Alex Melcher immer auch seine eigenen Bandprojekte.
Im Oktober 2005 nahm er mit seiner damaligen Formation „The Tune“ das „Heartbreak-Hotel“
im Kölner „Dome“ auseinander. Foto: Jürgen Heimann

 

 Auch schon ein Weilchen her: Alex und seine Vera waren das WWRY-Traumpaar der ersten Stunde.
Als „Galileo“ und „Scaramouche“ haben die beiden Künstler die Latte für alle
Nachfolger ziemlich hoch gehängt. Foto: Jürgen Heimann