Dirty Dancing – Das Original live on stage

Bericht von Karin Geupel vom  Sonntag, 14.3.2010, 15.30 Uhr

 

Besetzung:

Frances ‘Baby’ Houseman: Jenny Bach, Johnny Castle: Dániel Rákász, Penny Johnson: Charlotte Gooch, Jake Houseman: Matthias Dittmer, Marjorie Haouseman: Katja Henschel, Lisa Houseman: Claudia Maltritz, Max Kellerman: Uwe Dreves, Neil Kellerman: Ricardo Frenzel Baudisch, Billy: Marco Fahrland-Jadue, Tito Suarez: Stephen Shivers, Robbie: Lukas Hötzel, Stan: Matthias Jentsch, Vivian Pressman: Stephanie Wettich, Moe Pressman: Hans-Dieter Heiter, Mrs Schumacher: Ursula Heyer, Mr Schumacher: Rainer Brandt

 

Viel wurde bereits über das sogenannte “Musical” Dirty Dancing geschrieben und gezetert. Teils mag das auch berechtigt sein, aber wie eben im Film geht es auch im Musical, oder eigentlich besser „Tanztheater“, um genau das, nämlich Tanzen.

Dem Zuschauer, der zur Zeit ins Theater am Potsdamer Platz in Berlin kommt um sich unterhalten zu lassen, muss klar sein, dass es sich hier nun mal nicht um ein Musical im eigentlichen Sinne handelt. Hier wird nämlich kaum live gesungen, und es gibt auch so gut wie keine Live-Musik. Hin und wieder verirrt sich dann zwar mal eine Blas-Combo auf die Bühne und auch ein paar Sänger, die allerdings große Klasse sind, dürfen beim schmutzigen Tanz mal mitmachen. Doch das Hauptaugenmerk gilt nun mal dem Tanz. Und dieser ist wirklich sehenswert. Im Prinzip sind hier genau die gleichen Tanzszenen inklusive der berühmten Hebefiguren wie im Film choreographiert. Doch diesen Tänzern bei ihren Schritten zuzusehen macht noch mehr Freude, als dies nur daheim im Fernseher anzuschauen.

Große Musik und viel Gesang darf der Zuschauer also nicht erwarten, wenn er nicht enttäuscht werden will, dafür gibt es aber umso mehr tolle mitreissende Tanzszenen und gutaussehende Schauspieler auf der Bühne. Auch einige neue Szenen, die so nicht im Film enthalten sind, wurden in das Stück eingefügt.  Manche davon tragen auch tatsächlich zum besseren Verständnis der Charaktere bei, aber einige Szenen hätte man sich auch sparen können. Gut ist zum Beispiel eine kleine Streitszene zwischen Baby und Johnny, in der ihr (sozialer) Gegensatz noch einmal deutlicher wird. Aber gerade einige Szenen mit Baby und ihren Eltern hätte man getrost weglassen können. Sie verlangsamen die Handlung nur, ohne viel dazu beizutragen.

Bei der Vorstellung am Sonntag nachmittag überzeugten vor allem Charlotte Gooch als Penny und Hauptdarsteller Dániel Rákász. Letzterer vor allem mit seinem guten Aussehen und viel Tanzfreude. Aber auch Jenny Bach, als Baby, machte ihre Sache gut. Ihnen war es zu verdanken, dass das oft in Kitsch oder Langweile abdriftende Stück seinen Reiz behielt. Spaß am Tanzen versprühten aber alle Tänzer auf der Bühne. Sie leben fürs Tanzen und übertragen diesen Spaß an die Zuschauer. So kann der Tanz manchmal über das Fehlen eines Orchesters hinwegtrösten. In die Choreographie auf der Bühne integriert wurden die Sänger. Besonders der Song "Yes" wurde sehr mitreissend gesungen und getanzt, so dass man selbst die Füße kaum still halten konnte. Auch das große Finale mit "Time of my life" versprühte gute Laune.

Das Bühnenbild ist sehr originell gestaltet. Ein Beispiel aus vielen guten Bühnenbildern ist die legendäre Szene im Wald, in der Johnny seinem Baby die richtige Balance beibringt. Bei dieser Szene wurde ein großer Baumstamm von der Seite der Bühne heruntergelassen, auf dem dann Johny und Baby ihre Kunststücke vollführten. Auch die See-Szene, wurde dank Vorhängen und Stoffbahnen sehr gut visualisiert. Doch gerade hier, aber auch in einigen anderen Szenen, konnte der ein oder andere Zuschauer sich ein Lachen nicht verkneifen. Es ist doch lustig, wenn Johnny und Baby im See baden, ohne auch nur ein bisschen nass zu werden.

Genauso „komisch“ waren oft die Dialoge. Sie hätten hin und wieder der Bühne angepasst werden können. Natürlich sind solche Sätze wie "Mein Baby gehört zu mir!" aus Dirty Dancing nicht wegzudenken, aber trotzdem schienen sie sehr hölzern dahergesagt. Viele Dialoge, die im Film gut ankamen, machen das Bühnenstück teilweise etwas lächerlich. Bei anderen Szenen, wie zum Beispiel der Bett-Szene oder der Schlussszene kam dann aber doch das wohlige, verträumte Kribbeln und Lächeln in den Zuschauern auf, die auch den Liebesfilm so erfolgreich machten. Nicht zuletzt sorgten dafür die Hauptdarsteller, die ihre Rollen, wenn auch oft kitschig, doch sehr authentisch und glaubhaft spielten. Nur dem ist es zu verdanken, dass es zum Beispiel Szenenapplaus nach eben zitierten "Mein Baby gehört zu mir" gab. Ebenfalls Extra-Applaus löste die bekannte Hebefigur aus. Sämtliche Frauen haben dies wohl selbst schon einmal mit ihrem (Tanz-) Partner versucht und können deshalb nachvollziehen, wie schwer die Figur wirklich ist.

Zum Fazit bleibt zu sagen: Dirty Dancing auf der Bühne ist tatsächlich kein Musical. Aber so schlecht, wie es einige Musical-Fans beschrieben haben ist es auch wieder nicht. Man muss eben anderes erwarten, dann geht man auch hier zufrieden nach Hause.