Königsgala in Füssen 2012

Bericht von Andrea Herter

 

Wie fast jedes Jahr Ende August luden auch dieses Jahr Janet Chvatal und Marc Gremm anlässlich des Geburtstags von König Ludwig ein. Diesmal fiel der Konzerttermin sogar exakt auf den Geburtstag des Monarchen. Als Gäste hatten sie sich diesmal unter dem Motto „Von Kaiserinnen und Königen“ Pia Douwes und Uwe Kröger eingeladen.

 

Eingestimmt auf die Abendveranstaltung hatten wir uns mit der großen Rundfahrt auf dem Forggensee, die wir zum Glück trotz schlechter Wetterprognosen bei Sonnenschein auf dem Oberdeck des Schiffes verbringen konnten.

 

Während der Spielzeit von Ludwig² herrschte im Festspielhaus in Füssen immer eine ganz besonders familiäre Atmosphäre zwischen Darstellern, Besuchern und Personal. Das ist einer der Gründe, warum alle noch immer von diesen Zeiten schwärmen, sehr an dieser Veranstaltungsstätte hängen und immer wieder gerne kommen. Diese Stimmung war sofort bei der Begrüßung durch die Garderobendame wieder da, die übers ganze Gesicht strahlte und sagte „Wir haben uns so sehr darauf gefreut, dass heute die lieben, treuen Fans wieder mal hier sind“. Und tatsächlich, überall sah man bekannte Gesichter.

 

Eröffnet wurde die Gala von Janet Chvatal, mit „Gold von den Sternen“, untermalt mit einer wunderschön anzusehenden Darbietung der Balletttänzerin Nadja (deren Nachname mir leider entfallen ist). Dann wurde die Musik von der Krönungsszene aus Ludwig² eingespielt und „König“ Marc Gremm betrat die Bühne. Beide präsentierten „In Palästen geboren“, bevor Marc dann zunächst einmal das Publikum begrüßte. Es waren nicht nur in den deutschsprachigen Raum Karten verkauft worden, sondern auch ins Ausland, unter anderem in die Niederlande und sogar auch nach Russland, China und Japan.

 

Dann hatten die Gäste ihre ersten Auftritte. Uwe Kröger schlüpfte ein weiteres Mal in die Rolle des Todes, und bei seinem dynamischen „Letzten Tanz“ wurde sofort klar, warum er für viele immer noch DER Tod ist. Auch Pia Douwes überzeugte in ihrer Paraderolle als Elisabeth mit „Ich gehör nur mit“ sofort. Nicht umsonst ist sie eine der bekanntesten und beliebtesten Darstellerinnen im deutschsprachigen Raum. Dass die beiden auch viele Fans mitgebracht hatten, war deutlich am Applaus zu hören. Zum Abschluss des „Elisabeth“-Teils sangen Pia und Marc die „Boote in der Nacht“.

 

Janet Chvatal zeigte sich hoch erfreut, den Abend mit diesen beiden Gästen gestalten zu dürfen und erinnerte an die Zeit in Wien, wo sie Pia kennen gelernt hatte. Pia spielte dort die Elisabeth und Janet die Christine aus dem Phantom der Oper. Das Festspielhaus verwandelte sich in eine Oper und Janet und Marc präsentierten das Titellied und „Musik der Nacht“ aus dem Phantom. Da folgte also wirklich ein „Klassiker“ nach dem anderen.

 

Zwar hatte Marc Gremm Pia Douwes angekündigt, aber als sich der Vorhang hob, saß dort Uwe Kröger vor einer imposanten Bergkulisse auf einem blauen Thron. Er erzählte von seiner aktuellen Rolle als Baron von Trapp in „The Sound of Music“. Aus diesem Stück brachte den Titel „Edelweiß“ zu Gehör, der von vielen Amerikanern gerade wegen des Musicals für die österreichische Nationalhymne gehalten wird. Das Lied selbst hat mir nicht besonders gefallen, umso besser jedoch die Interpretation ohne Playback nur zur Gitarre. Auch Pia hatte einen Beitrag aus dem Musical Rebecca mitgebracht, in dem sie zur Zeit in Stuttgart zu sehen ist: „Sie ergibt sich nicht“. Bemerkenswert dabei war, dass sie das Lied eher als Konzertbeitrag begann, dann aber plötzlich wieder ganz in der Rolle als Mrs. Danvers aufging.

 

Bei „Don’t cry for me Argentina“ von einer durch Perücke erblondeten Janet lebte Evita Peron wieder auf. Dann riet sie den anwesenden Damen, auf ihre Hälse aufzupassen und den Herren, sich mit Knoblauch zu bewaffnen, denn nun waren gleich zwei Vampirgrafen im Anmarsch. Marc Gremm beklagte vor einem Gräberfeld (die Deko aus der Kriegsszene in Ludwig²) die unstillbare Gier, und Uwe Kröger versuchte Pia bei „Totale Finsternis“ in seinen Schatten einzuhüllen.

 

Das Publikum und natürlich erst recht die Akteure hatten sich nun eine Pause zum Durchatmen verdient. Bei dieser Gelegenheit wurden alte Bekanntschaften erneuert und neue geknüpft. Für mich ist es dabei immer sehr interessant, Leute, die man bisher nur per Internet kannte, persönlich zu treffen.

 

Wer meinte, mit den vielen bekannten Titeln im ersten Konzertteil hätten die Künstler ihr Pulver verschossen, hatte sich getäuscht. Marc Gremm kündigte an, dass sie sich nun eher den Kaiserinnen und Königen, also den Berühmtheiten und Verlockungen der Neuzeit widmen würden. Sein „American Dream“ wurde in Form von Graf Poccis knallgelbem Oldtimer und der (immer noch blonden) Dame wahr, die behauptete, Diamanten seien die besten Freunde eines Mädchens. Uwe Kröger und Pia Douwes entführten die Zuschauer dann mit den Titeln „Sunset Boulevard“ und „Nur ein Blick“ in die Vergangenheit der Filmmetropole Hollywood.

 

Dann wurde an zwei große Künstler diesseits und jenseits des „großen Teiches“ erinnert – „My way“ und „New York, New York“ wurden schon von unzähligen namhaften Künstlern gesungen, gehören aber eindeutig zu Frank Sinatra. Die Titel „Ich war noch niemals in New York“ und „Aber bitte mit Sahne“ von Udo Jürgens sind mittlerweile auch im Standard-Repertoire bei Musical-Galas, seit sie im Musical „Ich war noch niemals in New York“ verarbeitet wurden. Und da ein Großteil des deutschsprachigen Publikums ja mit diesen Titeln aufgewachsen ist, bringen sie immer Stimmung und werden auch gerne von den Zuschauern mitgesungen.

 

Ganz andächtig wurde es aber dann wieder im Saal, als Janet und Pia zusammen den Titel „When you believe“ aus dem Film „Prinz“ von Ägypten vortrugen. Der Titel handelt davon, dass man alles schaffen kann, wenn man daran glaubt. „Goldfinger“ von Uwe Kröger und „Milady ist zurück“ beendeten den schwungvolleren Teil der Gala.

 

Dann schloss sich der Kreis, als Janet „Rosenkavaliere“ und Marc „Kalte Sterne“ aus Ludwig² sangen. Und als dabei wieder mal auf der Bühne die alten Requisiten zum Einsatz kamen – eine mit dem roten Vorhang zugehängte Treppe, ein mangels darin verstecktem Darsteller lebloser Schwan, leere Kleiderpuppen und über allem ein nachdenklich blickender Wagner – kam dann doch wieder die alte Wehmut auf: „Wer hat das verbrochen? Wer die Tür verschlossen?“

 

Als letzten Programmpunkt, schon im Vorfeld angekündigt, hatten sich Uwe und Pia „Wenn ich tanzen will“ aufgehoben. Danach wollte der Applaus kein Ende nehmen. Und natürlich hatten die Darsteller auch eine Zugabe vorbereitet: „You’ll never walk alone“ aus dem alten Musical Carousel, das vielen zwischenzeitlich eher als Fussballhymne bekannt ist, war das einzige Lied, das alle vier Künstler gemeinsam sangen. Dass dabei manchmal fragende Blicke hin und her gingen („Wer ist jetzt gerade mit ner Solo-Stelle dran?“) machte die ganze Sache umso sympathischer. Das Publikum hätte sicher gerne noch mehr gehört, aber nach diesem Mammut-Programm war den Künstlern der Feierabend zu gönnen. Marc versäumte jedoch nicht, für den 24. August 2013 zur nächsten Königsgala, dann mit drei Königen, einzuladen.

 

Alle vier Künstler waren in Hochform und haben eine rundum gelungene Vorstellung abgeliefert. Was mir bei den Füssen-Galas immer besonders gut gefällt, ist die durchdachte und liebevolle Gestaltung der Szenen. Janet und Marc, quasi als Hausherren, wissen genau, was an Kulissen und Requisiten im Festspielhaus vorhanden ist und erwecken diese Dinge immer mit viel Sinn für Details zum Leben.

 

Kritikpunkte? Ja, ein wenig, aber sozusagen „Meckern auf hohen Niveau“:

 

Der Ton war zeitweise zu laut, fast dröhnend, zumindest an dem Platz, an dem ich saß (5. Reihe außen). Wer die Künstler zum ersten Mal bei einer Gala gehört hat, war sicher restlos begeistert. Jedoch haben beide Paar auch ein Stammpublikum, und für die war leider nicht viel Überraschendes dabei. Da würde ich mir mehr Mut zum Experimentieren wünschen, sowohl was die Auswahl der Titel als auch was die Zusammenstellung neuer Paarungen betrifft. Und obwohl auch ich die bekannten Musical-Melodien gerne höre, waren für mich dann doch das Frauenduett und Uwes „Edelweiß“ die Highlights im Programm.

 

Bei der anschließenden Autogrammstunde war der Andrang erwartungsgemäß sehr groß. Da wäre es vielleicht eine Überlegung wert, doch wieder den alten Platz im Seitenflügel zu nutzen und evtl. durch Kordeln eine Laufrichtung vorzugeben. So erfolgte der Ansturm von rechts, links, und von der Mitte, und sowohl der Weg zu den Künstlern als auch wieder zurück war von viel Gedränge geprägt. Trotzdem ein großes Dankeschön an die Darsteller, dass sie sich nach einem sicher anstrengenden Konzertprogramm noch Zeit für die Fans nehmen und nicht einfach durch den Hinterausgang verschwinden.

 

Ganz unmöglich war für mich die Gastronomie im Festspielhaus. Das Wirtshaus hatte zwar vor der Vorstellung noch geöffnet, nach der Vorstellung jedoch geschlossen. Viele Gäste hätten gerne noch in Ruhe was getrunken, evtl. auch noch etwas gegessen, und waren sehr enttäuscht, nur noch ein leeres Lokal mit gedimmtem Licht und einem einsam herumirrenden, aufräumenden Angestellten anzutreffen. Lediglich die Bar war noch geöffnet, aber aufgrund des „Autogrammgetümmels“ auch nicht wirklich ein behaglicher Ort. Bis zum Jahresende stehen laut Homepage im Moment gerade einmal sieben weitere Veranstaltungen im großen Saal an. Da sollte man meinen, an einem Tag mit fast vollem Haus (Saal, erster Rang und Königsloge waren annähernd komplett gefüllt) sollte auch das Wirtshaus die Chance nutzen, sich bei den Besuchern beliebt zu machen.

 

Zum Schluss noch ein Tipp für die, die über die A7 aus Richtung Kempten nach Füssen anreisen: Der Autobahnabschnitt bis direkt nach Füssen ist schon seit längerer Zeit fertig und frei gegeben, was eigentlich nun den früheren Weg über die kleineren Ortschaften erspart. Allerdings war bei unserer Anfahrt und auch den ganzen Samstag und Sonntag genau an der Füssener Ausfahrt immer ein langer Stau, wahrscheinlich der Rückstau vom Grenzübergang nach Österreich. Wir werden jedenfalls nächstes Mal wieder eine der vorherigen Ausfahrten nutzen.