Kerbst und Kock – Beziehungs-Weise

Bericht von Andrea Herter

 

Alexander Kerbst und Stefanie Kock stellten in Obergrombach ihr neues Programm „Beziehungs-Weise“ vor, das als roten Faden ihre langjährige Beziehung auf der Bühne und im Privatleben zum Thema hat. Als Einleitung sangen die beiden eine kleine Melodie, mit der sie an die Musiker aus früheren Zeiten erinnerten: „ Sie warn die fernen Sterne und doch irgendwie vertraut“. Dann folgte eine bunte Mischung aus eigenen Liedern und Klassikern der 20er Jahren. Die Titel waren meist heiter, manchmal ein bisschen frivol und teilweise auch nachdenklich und melancholisch.

In mehrjährigem Zusammenleben lernt man zwangsläufig die besonderen Eigenheiten des Partners kennen und kann vieles über die eigene Beziehung erzählen. Während sich Alexander anfangs beklagte, seine Partnerin sei manchmal manisch aggressiv oder eventuell auch verrückt, erwiderte Steffi, ohne sie wäre er wahrscheinlich längst verhungert oder an Tiefkühlpizza erstickt. Man sieht also, eine ganz normale Zweierbeziehung. So ganz schlimm kann es allerdings nicht sein, denn den beiden fielen allerhand Kosenamen für ihr jeweiliges Gegenüber ein.

Alexander bedauerte, dass Steffi kurze Haare trägt, weil ja Bubikopf heute die Mode sei, und bewunderte (von da an mehrmals während des Abends) das schöne lange Haar einer Dame im Zuschauerraum. Den Damen gab er den Rat: „Nehm’n se ‚n Alten“. Steffi suchte nach einem Mann, einem richtigen Mann (den sie sich dann gleich aus dem Publikum holte) und erzählte von ihrem Leben als Diva in der Konditorei und von der Bahnfahrt, bei der sie die Notbremse zog.
Aber auch auf die Erlebnisse von und mit anderen wurde eingegangen. Unter anderem stiegen Alexander und Stefanie mit Herrn Maier auf den Himalaja, gingen ins Kino, aufs Land, mit Marie auf Safari (weil sie beim Anblick solch gefährlicher Tiere wie Würmer und Spinnen so schön anhänglich wird) und schickten die Chefs Hätti und Wenni in den Urlaub.

Da weder eine komplizierte Zweierbeziehung, noch ein solches Showprogramm ohne Hilfe zu meistern sind, hatten Kerbst und Kock die „Therapeuten“ mitgebracht. Aufgabe einer Begleitband ist es, die Sänger zu unterstützen, ohne sich selbst in den Vordergrund zu drängen. Dies gelang den Therapeuten bestens. Markus Kauffeld (Piano, Background Vocals und Blockflöte), Holger Düchting (Gitarre), Jochen Karger (Streichbass und E-Bass) und Christian Kauffeld (Drums) waren immer auf den Punkt präsent. Tempowechsel, Breaks und andere Finessen waren bestens auf die Sänger abgestimmt. Trotzdem lohnt es sich aber, ab und zu genauer hinzuhören und hinzusehen. Kleine Solostellen in der Begleitung sind immer wieder herauszuhören, und die Blickkontakte zwischen den Musikern zeigen, dass sie mit Spaß bei der Sache sind.

Obwohl viele der Texte nicht gerade ernsthaft waren, hatten sich die Akteure auch sonst noch einigen Schabernack einfallen lassen. So hatten sie sich z. B. den Text von „Satisfaction“ mit einem Online-Programm übersetzen lassen. Das Ergebnis war so schrecklich, dass man sich am Besten schnell nochmals das Original anhört. Zu einem Lied gab es eine spezielle Choreografie, die gleich auch noch dem Publikum beigebracht wurde.

Schon im ersten Teil wurde angekündigt, dass ein Opersänger erwartet würde. Besonders aufgeregt war Pianist „Kauffi“, denn er hatte zu diesem Anlass eine Arie geschrieben. Nachdem Gitarrist Holger sich das Stück angesehen hatte, meinte er, ein Text mit „Geliebte Berge, göttergleich...“ sei ja nicht verwendbar, es wäre doch viel besser, ein Lied über ein Gummischwein zu schreiben. Als der geschätzte Herr Opernsänger dann endlich kam, trug er, mit ernster Miene, rollendem „R“, wilden Kolloraturen und dramatischem Schluss, sein Lied vor. Der selbstgefällige Blick des Verfassers war bemerkenswert.

Natürlich durften auch in diesem Programm Steffis bunte Outfits und Alexanders Parodien nicht fehlen. Er trat unter anderem als türkischer Nachwuchsstar auf. Durch eine Behandlung mit Charaktertabletten benahm er sich außerdem plötzlich wie Rüdiger Hoffmann, Didi Hallervorden, Otto Walkes, Helge Schneider, Karl Moik oder Udo Lindenberg (Udo wie Ufo, nur mit „d“). Diese Therapie wurde dann als unpassend empfunden und gleich wieder eingestellt.

Stefanie Kock und Alexander Kerbst wussten ihr Publikum durch ein vielfältiges Programm, sängerisches Können und ihre Bühnenpräsenz zu überzeugen. So ging der Abend auch viel zu schnell zu Ende, und die beiden wurden natürlich nicht ohne Zugaben von der Bühne gelassen. Wer die Gelegenheit hat, sich das Programm anzusehen, sollte es sich nicht entgehen lassen. Die nächsten Termine sind am 18.08.2010 in Unterthingau, am 19.08. in Hopferau und am 20.08. in Füssen. Hörproben und weiter Informationen auch unter www.kerbstundkock.de.